Liebe Besucher*innen

 

Wundern Sie sich nicht über die leere Seite. Wir haben seit März 2020 alle Veranstaltungen gestrichen, je nachdem wie es die Corona-Vorgaben vorsahen. Das schöne Jahresprogramm 2020 ist damit hinfällig geworden. Das hat uns traurig gemacht. Es fehlte was, aber wir schauen hoffnungsvoll in das neue Jahr 2021. Ein Veranstaltungsprogramm haben wir noch nicht zusammengestellt, dafür fehlt uns die Gewissheit, wann es wieder losgehen kann. Aber sobald es die Situation wieder erlaubt finden Sie hier unsere Veranstaltungen und Aktivitäten. Wir werden Sie über die Presse informieren.

 

Bleiben Sie gesund und wir wünschen ein friedliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch und ein gesundes Wiedersehen in 2021.

 

Dieses wünscht Ihnen

 

Gerd Herrmann

 

Vorsitzender des Fördervereins


Jahresbrief 2020

Prof. Dr. Gerold Rahmann, Institutsleiter des Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau (© Gerold Rahmann)

Das Jahr ist bald vorbei, ein Glück. Hier sitze ich nun und überlege, was ich überhaupt zu diesem annus horribilis schreiben soll. Statt „Schreckliches Jahr“ als Zitat von Queen Elisabeth aus dem Jahr 1992 empfinde ich das Jahr 2020 eher als annus lambe mihi podicem (Übersetzung kann jede*r selber machen). Corona hat uns das Jahr versaut. Entschuldigt bitte diesen Einstieg, aber es musste mal raus.

Das Jahr fing eigentlich gut an. Die Stimmung im Institut war prächtig, es gab einen spannenden Kalender voll mit Veranstaltungen, Reisen und Projekten. Eigentlich wie immer. Wuhan und Corona waren irgendwo in China und hatten nichts mit uns zu tun. Ich dachte noch, wie heftig es war, eine ganze Millionen- Stadt unter Quarantäne zu setzen, dass innerhalb von Tagen ganze Krankenhäuser aufgebaut wurden und dass das ganze riesige Land mit extremen Ausgangssperren und Kontrollen in ein soziales und wirtschaftliches Koma versetzt wurde. Solche Einschränkungen in unsere Freiheiten und auch die Bauleistung (BER lässt grüßen) konnte bei uns nicht passieren, da war ich mir sicher. Wir aßen schließlich keine Fledermäuse und unser Land funktionierte doch gut.

Was für eine Arroganz und Fehleinschätzung. Schon im März musste ich neue Wörter lernen wie Pandemie, Kohorten und Lockdown. Ich sag nur: AHA. Corona hatte die ganze Welt und auch Europa erreicht. Italien lag auf der Intensivstation, bei uns in Deutschland breitete sich der Virus aus, ein Land nach dem anderen ging ins soziale und wirtschaftliche Koma. Nur die USA waren anders. Dort wurde das Virus vom Präsidenten und seinen Anhängern einfach geleugnet und weggemobbt. Waren wir die panischen Doofen?

Was die Pandemie bedeutete und mit sich brachte, hatte noch niemand von uns erlebt, geschweige denn für möglich gehalten. Auch im Institut wurden ab Mitte März bis auf Weiteres alle Reisen und Veranstaltungen abgesagt. Wie wohl so viele dachte ich, es würde sicher nur einige Wochen dauern, dann wäre die Lage unter Kontrolle. Wie diszipliniert sich Deutschland beim Lockdown verhalten hat, wie die Regierung mutige und einmalige Entscheidungen getroffen hat und wie wir darauf reagierten, hat mich dann auch beeindruckt. Die Straßen waren fast autofrei, die Fußgängerzonen menschenleer, der Himmel ohne Kondensstreifen und es gab keine offenen Kneipen und Restaurants. Dafür gab es zig-Milliarden Euro an staatlichen Geldern, um die Wirkungen abzupuffern und einen „starken“ Staat.

Wir übten uns in Abstand halten, Hände schütteln und in den Arm nehmen vermeiden, schützten unsere Alten und Risikopersonen, bildeten Kleinstgruppen an den Arbeitsplätzen, trugen ungerne aber vermehrt Masken und diskutieren gefühlt unendlich viel über diese Pandemie.

Unter dem ersten Lockdown im Frühling bestellte die eine Hälfte der Kolleg*innen die Felder und versorgten die Tiere, die andere Hälfte war im Homeoffice. Für beide Gruppen war es nicht leicht. Die eine dachte am Anfang, dass sie weiterhin zur Arbeit mussten, während die anderen gemütlich und sicher zuhause bleiben konnten. Nach einigen Wochen kippte die Stimmung. Vielen im homeoffice fiel zuhause die Decke auf den Kopf und es wurde versucht, wieder zur Arbeit zu kommen. Sie wurden neidisch auf die, die in schönen Trenthorst draußen arbeiten durften. Es war deutlich zu spüren, wie uns das Miteinander fehlte, sowohl privat als auch beruflich, dass Trenthorst ein wunderschöner Ort zum Arbeiten ist und dass Kolleg*innen einem mehr geben als Hilfestellung bei der Arbeit.

Kommunikation musste auch weitergehen, nicht nur untereinander, auch mit außerhalb. Erst zögerlich und unerfahren fingen wir mit Videokonferenzen an (technisch gefühlt wie in der Steinzeit). Nachdem die technischen Probleme immer mehr gelöst wurden, kamen wir so sogar schneller zu Entscheidungen und sparten die Zeit des Reisens, welche Überraschung. Es ersetzte aber nicht das Zwischenmenschliche, das zunehmend fehlte.

So gewöhnten wir uns im Laufe des Jahres an einen Zustand, der zwar ungewöhnlich, unangenehm, aber doch erträglich war. Es fehlten im Institut das Lockere und das Fröhliche. Wie auch? Zunächst wurden Veranstaltung, Besuche und Reisen abgesagt, dann irgendwann gar keine mehr geplant. Das hat vor allem dem Förderverein die Grundlage entzogen. Hier den Kopf hochzuhalten war nicht leicht.

Dabei war 2020 nicht alles schlecht. Der Frühling und der Sommer zeigten sich von ihrer schönen Seite. Es gab viel Sonnenschein und auch ab und zu Regen. Das Arbeiten und die Freizeit vor Ort waren angenehm und auch erfolgreich. Die Ernte war gut, die Tiere gesund (die Afrikanische Schweinepest und die Geflügelgrippe noch weit weg). Alle Lehrlinge haben ihre Prüfungen mit sehr guten Noten abgeschlossen, zwei Lehrlinge sogar die Spitzenplätze erreicht. Die Wissenschaftler*innen haben viel geschrieben, spannende Projekte eingeworben und auch abgeschlossen. Leider hat es wieder keine Baumaßnahmen gegeben, obwohl doch Ideen, Geld und Wille seit Jahren da war. Aber die Bürokratie hat wieder einmal gewonnen und uns gezeigt, was alles nicht geht. Also wieder aufgeschoben und vertröstet auf die Zukunft.

Als es im Herbst dann wieder mit Verschärfungen wegen steigender Infektionszahlen losging, war eine Corona-Müdigkeit spürbar. Auch das 20-Jahre-Jubliläumsfest am 1. Dezember, die Weihnachtsfeier, und einfach alles fiel aus. Das Jahr geht im Logdown zuende. Das nun eine Impfung kommen soll, bringt hoffentlich eine Erlösung für das Jahr 2021, auch wenn es sicher noch etwas dauern wird. Ich freue mich schon auf die erste Veranstaltung und Reise, die wieder ohne die nervigen – wenn auch wichtigen – Hygieneauflagen und in lockerer Atmosphäre wieder stattfinden wird.

Corona wird etwas zurücklassen, selbst wenn wir die Herdenimmunität erreicht haben und die Welt wieder ein Dorf ist, wo sich jede*r mit jeder/m wieder treffen kann. Wir sind aus dem Hamsterrad ausgestiegen und haben es mal von außen angeschaut. War alles, was wir so getrieben haben, wirklich sinnvoll und der richtige Weg? Ich denke nicht. Wenn nur die Hälfte an Reisen wieder notwendig wird, dann reicht das vollkommen. Die virtuelle Kommunikation wird bleiben, wenn auch wohl etwas weniger. Es wurde klar, dass eine globalisierte Welt, die alles löst, scheinbar doch nur eine Illusion war. Dieses wurde uns bei den Abhängigkeiten von Medikamenten und Hygieneartikeln deutlich. Grundbedürfnisse wie täglich genug, gesundes und bezahlbares Essen, gute Gesundheit und Pflege, sowie hohe Lebensqualität sollte nach meiner Ansicht nur dort produziert werden, wo es auch gebraucht wird. Wir in Trenthorst können unseren Beitrag für eine akzeptierte, leistungs- und zukunftsfähige Lebensmittelversorgung leisten, ohne auf Importe angewiesen zu sein. Dafür braucht es Forschung mehr denn je, aber vielleicht auch eine andere als bislang. Das motiviert mich für die nächsten Jahre.

Vielen im Institut ist auch bewusst geworden, was wir für einen tollen und auch sicheren Arbeitsplatz haben, was nicht jedem vergönnt war/ist. Das macht unter anderem auch mich demütig und dankbar.

Ich wünsche ein gesundes, friedliches und auch fröhliches Weihnachtsfest, einen guten Rutsch in 2021 und viel Hoffnung und Kraft für das kommende Jahr.

Prof. Dr. Gerold Rahmann Dezember 2020


20 Jahre Öko-Institut Trenthorst (© Zeitung Stormarner Tageblatt)

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